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Ich bin ein großer Fan von Gebärden für Babys und Kleinkinder. Als unser erster Sohn etwa sechs Monate alt war, habe ich begonnen, die wichtigsten Begriffe immer mit einer Gebärde zu verbinden. Dazu gehörten Milch, Essen, Schlafen, Schnuller – und Bagger. Denn die Baustelle in unserer Straße haben wir regelmäßig besucht, und es war das Größte, wenn der Bagger gerade gearbeitet hat. Dreimal dürft ihr raten, welche Gebärde er mit etwa neun Monaten als Erstes selbst gemacht hat … Richtig: den Bagger. Und als er verstanden hat, dass er damit etwas sagen konnte und ich ihn verstehe, kamen innerhalb kürzester Zeit auch Milch und Schnuller dazu. Von den sogenannten Babyzeichen habe ich durch eine Freundin erfahren, die begeistert davon war, dass ihr Kind schon mit ihr kommunizieren konnte, bevor es sprechen gelernt hatte. Und genauso war auch meine Erfahrung. Wie oft hat man ein brüllendes Kind vor sich und wünscht sich einfach, es könnte sagen, was gerade los ist. Doch bis Kinder sprechen lernen, dauert es eben.

Das Prinzip der Babyzeichen kam in den 1980er Jahren auf und wurde Anfang der 2000er unter anderem von den Professorinnen Linda Acredolo und Susan Goodwyn erforscht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Kinder sowohl in ihrer rezeptiven Sprachentwicklung – also darin, wie viel sie verstehen – als auch in ihrer expressiven Sprachentwicklung Vorteile entwickeln können. Das Erlernen von Babyzeichen fördert die Verknüpfung von akustischen und visuellen Reizen. Gleichzeitig werden motorische Fähigkeiten geschult, wenn Kinder selbst beginnen zu gebärden.

Vor allem aber erleben Babys früh etwas unglaublich Wertvolles: Sie merken, dass sie sich mitteilen können – und verstanden werden.

Erst kürzlich erinnerte mich eine Freundin an eine für sie besondere Situation. Wir waren zum ersten Mal bei ihnen zu Besuch, und mein Sohn fühlte sich mit seinen zwei Jahren offensichtlich nicht ganz wohl. Es war trubelig, laut und ungewohnt. Mit einer Gebärde zeigte er mir, dass er nach Hause gehen wollte. Ich konnte das wahrnehmen und mit ihm darüber sprechen, dass es ihm gerade zu viel war. Durch die Gebärde war es ihm möglich, sich trotz seiner Überforderung auszudrücken – und mir war es möglich, auf ihn einzugehen.

Ich glaube, genau darin liegt etwas, das weit über Babyzeichen hinausgeht. Kinder möchten verstanden werden. Nicht nur als Babys. Immer. Auch ältere Kinder und Jugendliche zeigen oft auf ihre Weise, was in ihnen vorgeht. Nicht jedes „Ist mir egal“ bedeutet wirklich Gleichgültigkeit. Nicht jedes Türenknallen ist nur Trotz. Manche Kinder ziehen sich zurück, andere werden laut, albern oder reden ohne Pause. Hinter vielem steckt eigentlich dieselbe Sehnsucht: „Siehst du mich? Verstehst du, wie es mir gerade geht?“ Vielleicht sind Babyzeichen deshalb gar nicht nur ein Werkzeug für die ersten Lebensjahre. Vielleicht erinnern sie uns Eltern an etwas Grundsätzliches: Kommunikation beginnt lange vor perfekten Worten – und sie lebt davon, dass sich jemand wirklich gesehen fühlt.

Der Schlüssel zur Kommunikation mit Kindern ist nicht, auf alles sofort die richtige Antwort zu haben. Viel wichtiger ist, aufmerksam zu werden. Wirklich zuzuhören. Wahrzunehmen, was unser Kind sagen möchte – manchmal auch zwischen den Zeilen. Augenkontakt hilft. Ein offenes Herz hilft. Geduld hilft. Und manchmal auch die Bereitschaft, kurz innezuhalten und genauer hinzuschauen. Es ist unglaublich wertvoll für Kinder, wenn sie erleben: Ich werde gehört. Ich werde gesehen. Das, was ich fühle, hat Raum. Und vielleicht beginnt genau das schon dann, wenn ein sechs Monate altes Baby begeistert mit seinen kleinen Händen „Bagger“ gebärdet.

Was hilft dir dabei, dein Kind aufmerksam wahrzunehmen und ihm das Gefühl zu geben, verstanden zu werden?

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