FAMILYLIFE
Engagieren

Unsere Jüngste ist zu einer Hochzeit eingeladen. Ihre Kleingruppenleiterin heiratet. Die Aufregung unter den Mädchen ist riesig und hat sich ins fast Unermessliche gesteigert, seit sie wissen, dass sie so eine Art Brautjungfern sein dürfen. Das Brautpaar mag es zwar eher natürlich und ungezwungen, doch die Mädchen haben wohl zu viele romantische Filme gesehen. Sie haben unzählige Ideen für das Kleid, aber keinen Plan, was die Details betrifft. Ich beschränke mich aufs Zuhören und Beobachten – zumindest am Anfang. 

Je länger die Diskussionen dauern und je wilder die Ideen werden, desto nervöser werde ich. Die Zeit bis zum Hochzeitstermin ist knapp bemessen und es geht nicht einfach darum, eine Jeans oder ein T-Shirt zu kaufen. Nach unzähligen (Sprach-)Nachrichten im Kleingruppen-Chat der Mädchen ist klar, dass wir A) vor Ort kein Kleid finden werden und B) der Onlinehändler meines Vertrauens kein Kleid im Angebot hat, das den Mädchen gefällt.  

Es gibt ein paar Dinge in meinem Leben, die das Potenzial haben, mich zur Verzweiflung zu treiben. Diese Situation gehört aus folgenden Gründen dazu:

  • Die Situation ist unübersichtlich.
  • Es muss schnell eine Lösung her.
  • Das Kind will meine Hilfe, nicht aber meine Einmischung.
  • Ich habe eine Abneigung gegen Shoppen im Allgemeinen. 

Ich bin gestresst, meine Tochter überfordert. Vielleicht ist es auch umgekehrt. Dampf ablassen würde helfen. Nur, wie lasse ich Dampf ab, ohne unfair zu werden? Sie und ich sitzen im gleichen Boot. Es nützt nichts, die Ruder gegeneinander einzusetzen. Stattdessen vereinbaren wir einen Termin für später am Nachmittag. Bis dahin muss sie sich auf einer Website, die mir eine Freundin empfohlen hat, für ein Modell und eine Farbe entschieden haben. 

In der Zwischenzeit gebe ich meinem Mann ein Update. Zwar ist Kleider kaufen in unserer Familie ein typisches Frauenthema, aber ein bisschen Involviertsein und Mitleiden muss sein. Außerdem kann ich so angemessen Dampf ablassen. 

Danach ergreife ich die Flucht nach vorn und schreibe einer anderen Mutter. Ich frage nach, wie es bei ihnen aussieht und schreibe, dass ich die Situation herausfordernd finde. Zwei Minuten später ruft sie mich an und von da an ist es ein Kinderspiel. Gemeinsam mit unseren Töchtern finden wir zwei schöne Kleider, die wir dann gemeinsam bestellen. Die Erleichterung ist bei allen groß, auch bei den Teenagern. 

Am Abend wundere ich mich über mich selbst. Warum komme ich nicht öfter auf die Idee, den Austausch mit anderen Eltern zu suchen? Auch wir sitzen immer wieder im selben Boot und gewisse Situationen lassen sich durch Austausch und Absprachen so viel besser bewältigen. Natürlich bleibt es unsere Verantwortung, den Rahmen vorzugeben und die Situation zu koordinieren. Aber in herausfordernden Situationen braucht man Verbündete. Zusammen haben wir den Überblick gewonnen, uns eingestanden, dass wir herausgefordert sind, Teenagerkrisen verhindert und uns selbst vor einem verbalen Rundumschlag und nicht angemessenen Reaktionen bewahrt. 

 

Welche Situationen findest du übermäßig herausfordernd?

Wie kannst du sie “entschärfen”?

Wenn andere Kinder / Familien involviert sind: Wo könntest du den Austausch mit anderen Eltern suchen? Wo eher nicht?

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