FAMILYLIFE
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Es ist Sommer und es ist heiss. Darum folgt an dieser Stelle ein Beitrag mit abkühlender Wirkung.

Wir sind als Familie auf Skitour unterwegs. Drei Stunden Aufstieg liegen vor uns. Für unsere Tochter ist es das erste Mal, dass sie mit Ski und Fellen Schritt für Schritt den Berg hinauf stapft. Anfangs läuft alles erstaunlich gut. Nach etwa einem Drittel des Aufstiegs meldet sich die erste Krise. In der Hälfte geht dann praktisch gar nichts mehr.

Sie weiss von Bildern, welche Aussicht sie oben erwarten könnte. Sie kann sich den Pulverschnee für die Abfahrt vorstellen. Und doch: Die Beine wollen nicht mehr. Die Kraft reicht nicht aus, um sich selbst weiterzubringen. Unsere ersten Reaktionen als Eltern in diesen Momenten wären von unseren persönlichen Zielen motiviert. Aber so würden wir aus dem Affekt handeln und gegen eine Wand sprechen.

“Du wusstest doch, dass es drei Stunden sind. Jetzt einfach Schritt für Schritt weiter.”

“Wir haben doch gerade Pause gemacht und gegessen. Das müsste doch reichen.”

“Jetzt sind wir schon so weit gekommen…”

Alles gut gemeint. Und trotzdem ziemlich wirkungslos.

Ich schaue meine Tochter an und überlege mir, was sie brauchen könnte. Würde ich sie fragen, würde sie vermutlich sagen: Ich möchte umkehren. Deshalb versuche ich es von  einer anderen Seite her anzugehen und sage: «Ich möchte dich bis ganz nach oben bringen. Die Aussicht, der Pulverschnee für die Abfahrt und unser gemeinsames Erlebnis sind es wert, die nächsten Schritte zu machen. Ich trage deinen Rucksack.»

In meiner persönlichen Reflexion nach der Skitour wird (Er)tragen zum eigentlichen Problemlöser dieser Situation. Wir Eltern gehen Wege mit unseren Kindern. Wir möchten sie begleiten, fördern, erziehen. Aber oft verstehen wir Erziehen ein wenig wie das ungeduldige Führen eines Tieres, wenn es an der Leine ist. Will es nicht weiter, dann ziehen wir eben. Es wird schon folgen. Doch niemand möchte an einen Ort gezerrt werden. Und genau da kommen wir oft vom Weg ab.

Ertragen statt Ziehen
Die Situation auf der Skitour wird für mich zum Sinnbild fürs Ertragen: Ich nehme meiner Tochter den Rucksack ab und trage ihn. Der Weg wird für sie leichter, aber gehen muss sie ihn weiterhin selbst. Sie darf Lasten abgeben und trotzdem mit eigener Kraft Schritt für Schritt weitergehen. Der Unterschied ist gross: Sie wird nicht hochgezogen, sondern kommt selbstwirksam an. Am Tag nach unserer gemeinsamen Skitour frage ich sie, was ihr von diesem Tag geblieben ist und warum sie es bis zum Gipfel geschafft hat. Ihre Antwort kommt ohne Zögern: «Wegen dem langsamen Tempo.»

Ich hatte insgeheim gehofft, dass sie mein Eingreifen nennt, das Tragen des Rucksacks. Doch wie so oft kommt es anders, als ich es mir vorstelle. Der Rucksack war vielleicht der Wegbereiter. Genauso wichtig war es, Seite an Seite mit ihr den Weg in ihrem Tempo zu ertragen. 

So ist Erziehen eben nicht ein Ziehen, sondern ein (Mit)tragen.

Wo ziehst du deine Kinder?
Wo und wie könntest du sie (er)tragen oder (mit)tragen?
Wähle eine Alltagssituation und formuliere für dich, wie das konkret aussieht. 

 

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