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Wenn Dominik abends Zeit mit Johanna verbringen möchte, klebt ihr Blick am Smartphone, ihr Daumen wischt unaufhörlich durch irgendwelche Reels. Immer wieder führt das zu Diskussionen und teils auch heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen. Dominik ist mit seinem Latein am Ende.

An schlechten Abenden ist Dominik überzeugt, dass Johanna nicht nur vollkommen handysüchtig, sondern auch zutiefst egoistisch ist und sich kein bisschen für ihn interessiert.

Dieses innere Bild, das er dann von seiner Frau hat, nenne ich „negative Karikatur“. Wir alle kennen solche Bilder. Sie zeigen unser Gegenüber von seiner schlechtesten Seite. Ein Gegenüber, das sich nicht nur problematisch verhält, sondern plötzlich als problematische Person an sich wahrgenommen wird.

Von Zeit zu Zeit tauchen diese negativen Karikaturen in jeder Partnerschaft auf. Schon ein kleiner Vorfall kann sie auf den Plan rufen, und plötzlich spricht Dominik nicht mehr mit seiner Frau Johanna, sondern mit dieser handysüchtigen Egomanin in seinem Kopf. Entsprechend grundsätzlich und umfassend sind dann auch seine Vorwürfe.

Selbstverständlich weist Johanna diese Karikatur vehement von sich. Sie wehrt sich gegen dieses übertriebene Bild, bestreitet die Vorwürfe und geht stattdessen zum Gegenangriff über.

Für Dominik wirkt das so, als würde sie seine Bedenken wieder einmal nicht ernst nehmen, nicht zu ihren Schwächen stehen und keine Verantwortung übernehmen wollen. Typisch Egoistin halt. Das wiederum bestärkt ihn nur noch mehr in seiner negativen Karikatur.

Die negative Karikatur funktioniert wie eine chinesische Fingerfalle: Je mehr wir versuchen, uns dagegen zu wehren, desto fester hält sie uns im Griff. Wir werden die negative Karikatur, die unser Partner von uns hat, niemals entkräften, indem wir sie bestreiten. Das Gegenteil ist der Fall: Wir müssen uns auf sie einlassen, wenn wir wollen, dass sie schwächer wird.

Für Johanna bedeutet das, dass sie in so einem Moment zugeben könnte, dass sie tatsächlich wieder in Reels hängengeblieben ist und es ihr leidtut. Denn je eher wir eingestehen, dass im Kern der Karikatur ein Körnchen Wahrheit steckt, desto weniger muss der Partner übertreiben, um seinen Standpunkt klarzumachen. Er fühlt sich in seinem Anliegen endlich gesehen und muss nicht mehr vehementer werden.

Meiner Erfahrung nach liegt die Lösung jedoch nicht nur bei der karikierten Person, sondern bei beiden. Auch Dominik ist gefragt. Er muss lernen, einen Schritt zurückzutreten, seine eigene Übertreibung zu erkennen und ganz bewusst wieder mit der echten Johanna zu sprechen. Er muss spezifisch bleiben und ihr konkretes Verhalten in der jeweiligen Situation ansprechen, statt zu verallgemeinern oder ihren Charakter grundlegend zu kritisieren.

Das Wissen um die gegenseitigen negativen Karikaturen ist wertvoll. Es hilft uns zu erkennen, ab welchem Punkt der Partner nicht mehr mit uns, sondern mit seiner Karikatur von uns spricht. Außerdem führt es im besten Fall dazu, dass beide sich bemühen, ihre Verhaltensweisen anzupassen, um diese Karikaturen beim anderen gar nicht erst zu triggern.

Wer die eigene negative Karikatur im Kopf des Partners kennt, punktet besonders, wenn er dieser Rolle ganz bewusst entgegenhandelt. Johanna kann der „handysüchtigen Egomanin“ aktiv den Wind aus den Segeln nehmen. Zum Beispiel, indem sie ihr Smartphone an einem gemeinsamen Abend ganz offensichtlich außer Reichweite legt und Dominik unaufgefordert ihre volle Aufmerksamkeit schenkt, noch bevor er überhaupt die Chance hat, sich ignoriert zu fühlen.

Für Dominik und Johanna bedeutet das an einem guten Abend: Wenn sie ihre Schwäche eingesteht und ihr Smartphone bewusst zur Seite legt, und er im Gegenzug die Karikatur der Egomanin rechtzeitig loslässt, können sie einander wieder wirklich begegnen – und nicht nur ihren jeweiligen negativen Karikaturen.

Next Level für deine Beziehung
Welche negative Karikatur hat dein Gegenüber von dir? Wenn sie das nächste Mal auftaucht, gib den wahren Kern zu, statt dagegen anzukämpfen.

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