FAMILYLIFE
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Sie lagen nebeneinander, und obwohl sich ihre Körper berührten, war jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Christina sehnte sich nach verspielterem, experimentellem Sex, nach kleinen unerwarteten Impulsen, die ihre Neugier wecken würden. Doch auch heute wagte sie es nicht, das auszusprechen. Und so fand sie sich gedanklich wieder mit einer sexuellen Begegnung ab, die für sie ganz okay werden würde, aber auch nicht mehr.

Julians Gedanken waren hingegen bei seinem Wunsch, dass Christina beim Sex öfter die Initiative ergreifen und aktiv mitgestalten würde, statt immer nur passiv mitzuspielen und auf seine Führung zu warten. Er stellte sich vor, wie es wäre, wenn sie die Begegnung gemeinsam gestalten würden. Beide spürten eine leichte Frustration, während sie versuchten, so zu tun, als sei alles in Ordnung. Ein stummer Dialog aus Zurückhaltung, Vermeidung und Rücksichtnahme dämpfte ihre Lust, statt sie zu beflügeln.

Christina und Julian sprechen kaum über ihre Sexualität als Paar. Christina will nicht anspruchsvoll oder selbstbezogen wirken und möchte Julian nicht überfordern. Für ihn wiederum ist die Angst zu groß, zurückgewiesen oder abgelehnt zu werden, wenn er sich wirklich öffnen würde. So bleibt zwischen ihnen ein Schweigen, das die Nähe zueinander verhindert, die sie sich eigentlich wünschen.

Julian würde den Wunsch seiner Frau nach weniger Vorhersehbarkeit im Bett gern erfüllen – wenn er ihn nur kennen würde. Und auch Christina würde sich ihrem Mann zuliebe zu mehr Initiative durchringen, wenn sie nur wüsste, dass er sich genau das wünscht.

Studien zufolge sprechen 20 bis 50 Prozent der Paare kaum oder gar nicht über ihr Sexualleben. Das ist eine verpasste Chance, denn eine offene Kommunikation verbessert nachweislich die Paarsexualität. Gleichzeitig fördert sie emotionale Nähe und schafft eine tiefere Verbindung.

Wer sich entscheidet, über intime Themen offener zu sprechen, sollte sich bewusst machen, dass aus einem geäußerten Wunsch kein Anspruch entsteht. Wenn Christina ihren Wunsch nach spielerischerem Sex ausspricht, schafft sie mit dieser Selbstoffenbarung Nähe und gibt Julian die Möglichkeit, darauf einzugehen. Ob er das kann oder möchte, bleibt jedoch ganz seine Entscheidung. Sie kann nicht erwarten, dass er ihr von nun an immer spielerischen Sex bietet, nur weil sie sich überwunden hat, ihren Wunsch mitzuteilen.

Ein Gespräch über intime Wünsche und Vorlieben ist anspruchsvoll. Es kann leicht zu unbedachten Äußerungen oder verletzenden spontanen Reaktionen kommen. Eine gute Möglichkeit, solche Stolperfallen zu vermeiden, ist der schriftliche Austausch. Wenn sich ein Paar gegenseitig ein „Turn-on-Briefing“ schreibt – einen kurzen Brief über das, was sie erregt, entspannt oder berührt –, verlangsamt sich die Kommunikation. Worte können gezielter gewählt werden und es entstehen weniger Missverständnisse. Wer sich die Zeit nimmt, ein solches Turn-on-Briefing zu verfassen, zeigt, dass ihm die gemeinsame Sexualität wichtig ist und dass er sich auch mit seinen intimen Wünschen dem anderen anvertrauen will.

Mögliche Leitfragen könnten lauten:

  • Welche Situationen, Berührungen oder Momente lassen mich in Stimmung kommen?
  • Welche äußeren und inneren Bedingungen fördern oder blockieren meine Lust?
  • Wie muss ich behandelt werden, damit ich mich begehrt und offen für Intimität fühle?
  • Was kann mein Partner tun, um unsere Lust, Nähe und Intimität zu stärken?
  • Welche Art von Berührung mag ich am meisten und welche möchte ich vermeiden?

Wer diese Fragen für sich beantwortet hat, kann ein kurzes Turn-on-Briefing für seinen Partner oder seine Partnerin schreiben – etwa mit Sätzen wie „Ich liebe es, wenn du …“ oder „Wenn du … tust, fühle ich mich sexy, gewollt oder entspannt.“

Next Level für deine Beziehung
Schlage deiner Partnerin oder deinem Partner vor, dass ihr euch gegenseitig ein kurzes Turn-on-Briefing schreibt.

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