Die Geschichte erzählen
Eines Tages werden unsere Kinder anderen Menschen davon erzählen, wie es war, bei uns aufzuwachsen.
Vielleicht erzählen sie es auch uns selbst. Zumindest unsere Kinder tun dies regelmäßig und ungeschminkt. Mein Mann und ich wissen daher ziemlich genau, was sie an ihrem Zuhause, ihrer Kindheit und uns Eltern schätzen oder was sie stört. Das ist der Vorteil unserer offenen Gesprächskultur. Manchmal fühlt es sich wie Sonnenstrahlen im Frühling oder eine Umarmung an, manchmal schlucken wir hingegen leer.
Unsere älteste Tochter wird im Sommer ihre Ausbildung abschließen und ausziehen. Was wird sie mitnehmen? Haben wir die gemeinsamen Jahre gut genutzt? Was war für sie positiv? Und was ist mit den Fehlern, die wir gemacht haben?
Der Punkt ist: Unabhängig davon, wie wir als Eltern die Zeit im Rückblick beurteilen, wird sie ihre eigene Version der Geschichte erzählen. Wir können ihr kein Skript mitgeben, an das sie sich beim Erzählen bitte halten soll. Das erfordert von unserer Seite ein bisschen Demut.
Die Geschichte schreiben
Wir können die Geschichte unserer Kinder nicht erzählen, aber wir schreiben sie. Das tun wir, indem wir die Verantwortung für die Atmosphäre in unserer Familie bewusst übernehmen.
Bei unseren Kindern beginnen die Geschichten häufig mit: „Wisst ihr noch? Als wir in die Skiferien gefahren sind, wart ihr am Vorabend immer gestresst. Das fanden wir doof. Einmal hat Papa sogar den Schlüssel zur Dachbox verloren.“ Oder: „Wisst ihr noch, wie es bei uns am Geburtstag immer Lasagne gab, weil es unser Lieblingsessen ist? Zum Glück haben sich die Gäste nie darüber beschwert, dass es immer das gleiche Essen gab.“
In den Geschichten wird es darum gehen, ob sie sich willkommen gefühlt haben, wenn sie nach Hause kamen, ob sie Geborgenheit erlebt haben, wenn sie außerhalb des Elternhauses im Sturm waren, und ob die Atmosphäre in unserer Familie gelöst, angespannt oder beispielsweise leistungsorientiert war.
Die Geschichte, die wir heute schreiben, wird noch lange, nachdem die Spielsachen weggeräumt und die Kinderzimmer verwaist sind, nachwirken.
Eine Atmosphäre schaffen
Was verbinden wir Eltern mit unserer eigenen Kindheit? Ist es das Klappern von Geschirr oder der Duft bestimmter Mahlzeiten? Oder die Begrüßung, wenn wir heimkamen oder wie unsere Eltern mit unseren Freunden umgegangen sind? Oder wie sie unbequeme Themen ansprachen oder wie wir Geburtstage feierten?
Ich kann die Geschichte meiner Kinder nicht erzählen, aber ich kann eine Atmosphäre schaffen, die über Jahre hinweg Zuwendung, Annahme, Geborgenheit und Interesse vermittelt. Das funktioniert, indem ich den Tisch decke und die Mahlzeiten koche, als hätte es eine Bedeutung. Oder den Kinderwitzen und Beschwerden über die Schule zuhöre, als hätte es eine Bedeutung. Oder das Kind ermutige und tröste, als hätte es eine Bedeutung. Weil es eine hat.
Was lieben deine Kinder an eurem Familienleben und was nicht?
Wie schaffst du eine Atmosphäre, die Zuwendung, Annahme, Geborgenheit und Interesse vermittelt?