Ich mag es nicht, in die Ferien zu fahren. Aber ich liebe es, in den Ferien zu sein. Es ist ein bisschen rätselhaft, aber es ist eine Tatsache, dass ich mich am Reisetag überwinden muss, das Haus zu verlassen. Am Ferienende ist es genauso. Nach ein paar Stunden ist alles wieder gut, nur die Übergänge sind – sagen wir mal – etwas herausfordernd.
Jetzt ist wieder Übergangszeit. Für die meisten von uns bedeutet das den Wechsel vom Ferienmodus in den Alltagstrott. Kinder gehen neu in die Spielgruppe, in die Kita, in den Kindergarten oder in die Schule. Andere wechseln in die Oberstufe, die weiterführende Schule oder beginnen eine Lehre. Natürlich geht jeder von uns anders mit Veränderungen um. Die einen nehmen es leicht, andere machen sich lange im Voraus Gedanken. Die einen sprechen darüber, die anderen nicht. Kinder können ihre Gedanken und ihr eventuelles Unbehagen häufig nicht in Worte fassen. Es ist normal, wenn sie im Moment des Übergangs heftig reagieren.
So wie eines unserer Kinder, als es Skifahren lernte und dafür eine Woche lang jeden Vormittag die Skischule besuchte. Am ersten Tag weinte es beim Frühstück bitterlich und wollte auf gar keinen Fall hingehen. Was sollten wir tun? Wir entschieden uns, den Versuch zu wagen – mit einem schlechten Gewissen. Wer tut das seinem Kind an?! Das Abgeben ging problemlos über die Bühne, doch unser schlechtes Gewissen blieb. Als wir es abholten, stellten wir fest, dass sie die Skischule liebte und auf keinen Fall für das Mittagessen nach Hause wollte. Was es mit Protest und Weinen zum Ausdruck brachte. Am nächsten Tag wiederholte sich die Szene. Am übernächsten Tag auch. Dann entspannte sich die Situation beim Frühstück – die Vorfreude siegte.
Ein paar Jahre später fiel es einem Kind über lange Zeit schwer, morgens aus dem Haus und in die Schule zu gehen. Es flossen viele Tränen und erst wenn die Schulfreundin an der Haustür klingelte, konnte es sich auf den Weg machen. Kleine und große Übergänge gehören zum Leben. Sie müssen nicht von uns aus der Welt geschafft werden, um ein Kind vor vermeintlich schwierigen Erfahrungen zu bewahren. Übergänge sind normale Erfahrungen, die für Kinder wichtig sind. Es lohnt sich allerdings, Übergänge gut zu begleiten und wahrzunehmen, was ein Übergang für das Kind mit uns Eltern macht und wie es dem Kind dabei geht.
Als Eltern sollen wir ein sicherer Hafen sein und uns im Loslassen üben. Zuhören und die Perspektive des Kindes einnehmen, helfen, damit es sich wahrgenommen und ernst genommen fühlt. Rituale geben Sicherheit. Zum Loslassen gehört das Wissen, dass das Kind schon vieles kann und wir ihm Dinge zutrauen können. Vielleicht hilft auch die eine oder andere Erinnerung an eigene Übergänge in der Kindheit oder als Erwachsene. Wie gesagt, manchmal ist der eine oder andere von uns etwas speziell. Und ganz wichtig: Die Herausforderungen unserer Kinder bei Übergängen zu belächeln, kleinreden oder ignorieren bringt nämlich nichts.
Welche Übergänge fallen dir persönlich schwer?
Welche Übergänge muss dein Kind im Moment bewältigen? Wie kannst du es dabei begleiten?