«Wer bist du denn? Dich kenne ich ja gar nicht!» So hat eine unserer Töchter meinen Mann begrüßt, als er am letzten Sonntagabend nach einer Woche Abwesenheit nach Hause kam. Wir mussten lachen, obwohl sie damit auch eine leise Kritik ausdrückte.
Ganz anders die folgende, fast unglaubliche Geschichte, die mir eine Freundin kürzlich über einen Arztkollegen ihres Mannes erzählte: Weil die Arbeit im Krankenhaus nicht nur mit Spät- und Nachtschichten, sondern auch mit vielen Überstunden verbunden war, übernachtete dieser häufig dort. Offenbar zu häufig – denn eines Tages fragten seine noch kleinen Kinder ihre Mutter, wer denn der Mann im Pyjama sei, dem sie ab und zu zu Hause begegneten.
Familie kann man auf verschiedene Arten leben. Aber eines sollte man nicht vergessen: Kinder profitieren enorm, wenn Väter von Anfang an voll beteiligt sind. Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien. Hier ein paar Ergebnisse.
Die Neurowissenschaftlerin Dr. Ruth Feldman hat in ihren Studien die Hormon- und Gehirnaktivität von Müttern und Vätern untersucht, während sie sich um ihre Kinder kümmerten. Das erstaunliche Ergebnis: Wenn Väter von Geburt an aktiv in die Fürsorge und Pflege des Babys eingebunden sind, schüttet ihr Körper die gleichen Mengen des Bindungshormons Oxytocin aus wie der der Mutter. Auch ihre neuronalen Bindungsnetzwerke – insbesondere die Amygdala und der präfrontale Kortex – aktivieren sich in identischem Maße. Kurz gesagt bedeutet das: Die biologische Anpassung an das Kind ist keine reine Geschlechterfrage, sondern eine Frage der investierten Versorgungszeit.
Eine andere interessante Studie betrifft die Zufriedenheit der Eltern als Paar. Diese sinkt bis drei Jahre nach der Geburt des ersten Kindes stark – es sei denn das Paar beachtet ein paar wichtige Punkte. Einer davon ist ein involvierter Vater. Wenn sich ein Vater von Anfang an aktiv einbringt und insbesondere mit dem Kind spielt, hat dies nachgewiesenermaßen einen positiven Einfluss auf die Zufriedenheit des Paares.
Doch was ist mit dem Kind? Profitiert es, wenn sich beide Elternteile kümmern? Die Antwort ist ein klares Ja. Kinder profitieren auf mindestens drei Ebenen:
Es lohnt sich also, Familie, wenn immer möglich, gemeinsam zu leben. Zu diesem Schluss kam am letzten Sonntagabend auch unsere Tochter: „Ich bin froh, dass Papa häufig präsent ist.“
Wer verbringt in eurer Familie wie viel Zeit mit den Kindern (egal ob gemeinsam oder alleinerziehend)? Möchtet ihr etwas ändern? Wenn ja, was?
Wie profitieren eure Kinder von dem, was der Vater in die Familie einbringt?