Für viele steht der Satz «tu, was du liebst» wie ein ungeschriebenes Gesetz über ihrem Leben. Sie träumen davon, eine Arbeitsstelle zu finden, die sie lieben. Sie wollen das machen, was sie erfüllt und ihnen Spaß macht. In ihren täglichen Entscheidungen lassen sie sich von diesem Lebensmotto führen. Liebe ich es, mich für ein bestimmtes Projekt zu engagieren? Dann tu ich es! Liebe ich es, mich mit dieser Freundin zu treffen? Dann tu ich es!

Ich bin hin und her gerissen, was ich davon halten soll. Bestimmt gibt es dümmere Lebensleitsätze. Und Leute, die offensichtlich leidend ihre Umstände aushalten und mit einer Opfermentalität Sachen machen, die sie nicht lieben, finde ich nicht gerade anziehend.

Doch recht schnell wird auch klar, dass «tu, was du liebst» eine Sackgasse ist. Besonders in unserer Partnerschaft kommen wir nicht weit, wenn wir uns davon leiten lassen, was wir gerade lieben. Denn es wird garantiert Zeiten geben, in denen wir unser anstrengendes Paar- oder Familienleben nicht lieben. Zeiten, in denen wir lieber Freiheit und Unabhängigkeit hätten. Zeiten, in denen wir lieber einen anderen Partner hätten. Wenn wir dann tun, was wir gerade lieben, zerstören wir unsere Beziehung.

Sei es bei zwischenmenschlichen Beziehungen, mit unseren Finanzen oder beim Beruf: Wir werden uns schnell in Lebenssituationen wiederfinden, die wir gar nicht lieben, wenn wir immer das tun, was wir lieben.

Jesus ist mir auch in diesem Punkt ein großes Vorbild. Er hat sich in seinem Tun nicht von dem leiten lassen, was er liebt. Trotzdem war er kein klagendes Opfer seiner Umstände, sondern hat Missstände benannt und sie verändert. Man kommt nicht um den Eindruck herum, dass er häufig das liebte, was er tat.

«Tu, was du liebst» ist für Anfänger. Für Profis muss der Satz anders heißen: «Liebe, was du tust». Sie nehmen ihre Umstände an und lernen, sie grundsätzlich zu lieben. Und wo das nicht geht, werden sie aktiv und verändern etwas.

Für eine Ehe bedeutet «liebe, was du tust», dass man nicht immer wieder Gedanken Raum gibt, die sich darum drehen, wie es auch noch sein könnte und wie schwer man es doch hat. Solche Gedanken sind unproduktiv und führen letztlich zu keiner Veränderung. Statt griesgrämig auszuhalten, bemühen sich Beziehungsprofis um ein innerliches Ja zu ihrer Situation. Sie entscheiden sich für etwas und damit auch dafür, es immer wieder anzunehmen, zu umarmen und zu lieben. Sie lieben, was sie tun.

 

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