Wenn wir eine Beziehung eingehen, treffen wir dort auf einen Menschen mit einer anderen Prägung, als wir sie selbst haben. Manchmal sind die Unterschiede kleiner, manchmal sind sie größer. Manche sind offensichtlich, andere kommen erst bei genauerer Betrachtung zum Vorschein.

Jede Familie hat ihre ganz eigene Familienkultur. Diese Kultur besteht aus all den unausgesprochenen Regeln und Verhaltensweisen und allem, was als normal empfunden wird. Und erst, wenn man in einer Partnerschaft auf eine Person aus einer anderen Familienkultur trifft, wird man sich seiner eigenen Prägung aus der Kindheit richtig bewusst. Man merkt dann vielleicht, dass es nicht „normal“ ist, dass immer die ganze Familie zusammen zu Abend isst. Oder dass man hitzig über politische Themen diskutiert. Oder dass man einander alles erzählen muss, was einen beschäftigt.

In jeder Beziehung treffen zwei Menschen mit unterschiedlichen familienkulturellen Hintergründen aufeinander. Deshalb führen wir alle eine interkulturelle Beziehung. Und ohne die besonderen Herausforderungen einer „echten“ interkulturellen Beziehung schmälern zu wollen, glaube ich, dass wir alle vor der herausfordernden Aufgabe stehen, zwei unterschiedliche Kulturen zusammenzubringen und eine eigene, neue Familienkultur zu prägen.

Besonders gut wird das beispielsweise in der Weihnachtszeit sichtbar, wenn es darum geht, wie man denn nun richtig Weihnachten feiert. Die ganze Sippe zusammen oder nur wir als Kernfamilie? Laut singen oder sich andächtig besinnen?

Aber auch im Alltag kommen viele Misstöne in der Beziehung einfach daher, dass wir unterschiedliche Dinge als „normal“ betrachten. Wenn die Frau aus ihrer Herkunftsfamilie einen raueren Umgangston gewohnt ist als der Mann, wird er eine sachlich gemeinte Aussage von ihr bereits als Angriff deuten. Und wenn in seiner Familie Probleme gelöst wurden, indem man sie unter den Teppich kehrte, wird er es standardmäßig auch so handhaben und seine Frau damit auf die Palme bringen.

Damit wir eine gemeinsame Kultur finden können, ist es wichtig, sich für die Prägung des Gegenübers zu interessieren und sie immer besser kennenzulernen. Dieses Kennenlernen muss auf einer Basis der Gleichwertigkeit erfolgen. Wenn ich davon ausgehe, dass meine Kultur deiner Kultur überlegen ist, dass ich richtig bin und du falsch liegst, werden wir scheitern. Die Herzenshaltung sollte vielmehr sein: Was kann ich von deiner Kultur lernen? Mit dieser Einstellung kann ein „interkulturelles“ Paar das Beste von beiden Seiten nehmen und zusammen eine gesunde neue Familienkultur gestalten.

 

NEXT LEVEL FÃœR MEINE BEZIEHUNG:
Worin unterscheiden sich die Kulturen eurer Herkunftsfamilien?